Wer betreut unsere Kinder, wenn in Kitas kaum noch qualifiziertes Personal zu finden ist?
Deutschland steht vor einem strukturellen Fachkräfteengpass in der Kinderbetreuung, der sich in den vergangenen Jahren dramatisch zugespitzt hat. Laut dem Kita-Bericht 2024 des Paritätischen Gesamtverbandes fehlen bundesweit rund 125.000 Fachkräfte im Bereich der Kindertagesbetreuung. Auch die frühere Bundesfamilienministerin nannte zuletzt Zahlen zwischen 50.000 und 90.000 fehlenden Erzieherinnen und Erziehern bis 2030.
Das Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2025 (Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte) zeigt: Trotz leicht sinkender offener Stellen – von rund 13.000 auf 12.000 – standen diesen lediglich ca. 10.900 arbeitslos gemeldete Erzieherinnen und Erzieher gegenüber. Der Engpass ist real und strukturell bedingt, nicht nur konjunkturell.
„Der Fachkräftemangel erschwert es zunehmend, die Rechtsansprüche zu erfüllen und in den Kitas den Bildungsauftrag umzusetzen. Die Situation ist für Kinder und Eltern wie auch für das vorhandene Personal untragbar geworden."
Die Folgen sind gravierend: Kita-Gruppen werden vergrößert, Öffnungszeiten reduziert, und das verbleibende Personal ist massiv überlastet. Laut DAK-Gesundheit verzeichneten Beschäftigte in Kindertagesstätten 2023 mit 534 Arbeitsunfähigkeitstagen je 100 Versicherte die meisten Krankheitstage auf dem gesamten deutschen Arbeitsmarkt – ein direktes Resultat der enormen psychischen Belastung.
Während das Kita-System unter dem Personalmangel ächzt, bietet die Kindertagespflege Familien eine Betreuungsform, die gerade für die Jüngsten wissenschaftlich gut begründete Vorteile hat.
- Kleine Gruppen, starke Bindung: Internationale Forschungsergebnisse zeigen, dass die Kindertagespflege charakteristisch niedrige Fachkraft-Kind-Relationen, kleine Gruppen und eine konstante Betreuungsperson über längere Zeit aufweist – entscheidend für sichere Bindung und Wohlbefinden. (Woodman u.a., zit. in DJI-Stellungnahme NRW, 2025)
- Gleichwertige pädagogische Qualität: Die NUBBEK-Studie (Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit) bescheinigt, dass die pädagogische Qualität bei qualifizierten Tagesmüttern und -vätern der in Kitas gleichwertig ist. (nifbe, unter Verweis auf NUBBEK)
- Familiennahe Atmosphäre: Das Bundesministerium für Familie bestätigt: „Die Kindertagespflege bietet gerade für die Kleinsten einen Ort der Geborgenheit und für ihre Eltern einen verlässlichen Rahmen im Alltag." (BMBFSFJ, KiTa-Qualitätsgesetz-Seite, 2025)
- Eltern wählen sie bewusst: Eltern von Kindern unter drei Jahren entscheiden sich laut DJI-Forschung durchaus bewusst für die Kindertagespflege – sie ist kein Notbehelf, sondern eine eigenständige, geschätzte Betreuungsform.
- Politisch anerkannt und gefördert: Das KiTa-Qualitätsgesetz (2023–2026) investiert explizit in die „Stärkung der Kindertagespflege" und zielt auf professionelle Qualifizierung und bessere Arbeitsbedingungen für Tagespflegepersonen ab. (BMBFSFJ / fruehe-chancen.de)
- Qualifizierte Fachpersonen: Das DJI betont, dass das Qualifikationsniveau der Tagesmütter und -väter der Schlüssel für gute Qualität ist – und hat im Auftrag des BMFSFJ ein eigenes kompetenzorientiertes Qualifizierungshandbuch (QHB) entwickelt, das speziell auf die Betreuung unter Dreijähriger ausgerichtet ist.
In der Kindertagespflege betreut eine qualifizierte Fachperson bis zu fünf Kinder – in einem familiären Umfeld, mit verlässlichen Alltagsstrukturen, gesunder Ernährung und echtem Bezug zur Natur. Das ist kein Kompromiss. Das ist oft das Beste, was wir den Kleinsten geben können.
Viele Eltern kennen das Gefühl: Der erste Kita-Platz ist nicht zu bekommen, und nun soll das eigene Kind zu einer Tagesmutter oder einem Tagesvater – in ein fremdes Zuhause. Das fühlt sich zunächst groß an. Und diese Sorge ist berechtigt, sie verdient eine ehrliche Antwort.
Was Eltern vielleicht nicht wissen: Kindertagespflegepersonen sind heute kein „Hobby-Babysitter" mehr. Sie sind pädagogisch qualifiziertes Fachpersonal, das eine strukturierte Ausbildung durchlaufen hat, staatlich geprüft wurde und nur mit einer behördlichen Erlaubnis tätig sein darf.
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300 Unterrichtsstunden Grundqualifizierung nach dem Kompetenzorientierten Qualifizierungshandbuch (QHB) des Deutschen Jugendinstituts (DJI) – entwickelt im Auftrag des Bundesfamilienministeriums (BMFSFJ). Inhalt: frühkindliche Entwicklung, Bindung, Bildungsförderung, Ernährung, Kindeswohlschutz, Elternzusammenarbeit und unternehmerische Grundlagen. ≈ 1 Jahr
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Praktika in Kita und Kindertagespflegestelle im Umfang von je 40 Stunden (insgesamt 80 Stunden) – um Theorie und Praxis eng zu verzahnen. (Bundesverband für Kindertagespflege / BVKTP)
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Zwei Lernergebnisfeststellungen (Prüfungen) sowie ein abschließendes Bundeszertifikat des Bundesverbandes für Kindertagespflege – ein bundesweit anerkannter Qualifikationsnachweis. (BVKTP / Bildungsträger)
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Pflegeerlaubnis des Jugendamts nach § 43 SGB VIII – nur wer die Qualifizierung erfolgreich absolviert, erweiterte Führungszeugnisse vorgelegt und einen Erste-Hilfe-Kurs am Kind absolviert hat, darf überhaupt tätig werden. (BVKTP / Düsseldorf.de)
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Verpflichtende Fortbildung von mindestens 50 Unterrichtsstunden alle fünf Jahre, um die Pflegeerlaubnis zu verlängern – lebenslanges Lernen ist Pflicht, nicht Kür.
Darüber hinaus sind sämtliche im Haushalt lebenden Personen über 14 Jahren verpflichtet, ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen. Das Jugendamt prüft vor Erteilung der Erlaubnis die gesamten Verhältnisse – räumlich, persönlich und fachlich.
Kurz gesagt: Eine Kindertagespflegeperson, die heute arbeitet, hat das gleiche Ziel wie eine Erzieherin – das Wohlbefinden und die Entwicklung Ihres Kindes. Nur mit einem entscheidenden Unterschied: Ihr Kind ist eines von maximal fünf, nicht eines von zwanzig.
Enge, direkte Kommunikation mit den Eltern gehört laut QHB zum Kern des Berufsbildes – kein Anonymitätsgefühl wie in großen Einrichtungen.
Eltern von Kindern unter drei Jahren entscheiden sich laut DJI-Forschung durchaus bewusst für diese Betreuungsform – nicht als Notlösung, sondern als erste Wahl.
Das Jugendamt erteilt die Pflegeerlaubnis nach § 43 SGB VIII und überprüft regelmäßig die Tätigkeit – Eltern sind nicht auf sich allein gestellt.
Jede KTP-Stelle arbeitet mit einem eigenen pädagogischen Konzept – z. B. Naturpädagogik, gesunde Ernährung, gezielte Sprachförderung – das Eltern vorab einsehen können.
Die Kindertagespflege wird von Eltern mit Kindern unter drei Jahren bewusst gewählt – und internationale Forschungsergebnisse zeigen, dass die Betreuungsform viele Vorteile für Kinder und Familien haben kann: charakteristisch sind niedrige Fachkraft-Kind-Relationen, kleine Gruppen und eine konstante Betreuungsperson über längere Zeit.
- Paritätischer Gesamtverband: Kita-Bericht 2024 – 125.000 fehlende Fachkräfte. Referenz: GEW-Meldung, Juni 2024
- Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte: Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2025. fachkraeftebarometer.de
- ver.di / Bertelsmann Stiftung: SOS Kita – Daten zum Krankenstand & Fachkräftebedarf. verdi.de, 2024
- DAK-Gesundheit 2023: Kita-Beschäftigte mit höchstem Krankenstand aller Branchen. (zit. in ver.di, s.o.)
- Bertelsmann Stiftung: Fachkräfte-Radar für KiTa und Grundschule / Anette Stein, Zitat. Bertelsmann Stiftung, Nov. 2023
- NUBBEK-Studie: Gleichwertige pädagogische Qualität in Kindertagespflege und Kita. nifbe.de (Zusammenfassung)
- Deutsches Jugendinstitut (DJI): Qualifizierungshandbuch Kindertagespflege (QHB); Stellungnahme NRW 2025. dji.de
- BMBFSFJ: KiTa-Qualitätsgesetz – Stärkung der Kindertagespflege. fruehe-chancen.de
- Bundesagentur für Arbeit: Arbeitsmarkt kompakt – Kinderbetreuung und -erziehung, März 2026. statistik.arbeitsagentur.de
- Bundesverband für Kindertagespflege (BVKTP): QHB – 300 Unterrichtsstunden, Bundeszertifikat, Pflegeerlaubnis § 43 SGB VIII. bvktp.de
- Deutsches Jugendinstitut (DJI) im Auftrag BMFSFJ: Kompetenzorientiertes Qualifizierungshandbuch Kindertagespflege (QHB), aktualisierte Fassung 2019. tagespflege.bayern.de (Zusammenfassung)
- Fruehe-Chancen.de / BMFSFJ: Qualifizierung von Kindertagespflegepersonen – 160 + 140 UE + Praktika. fruehe-chancen.de
- DJI-Stellungnahme für den Landtag NRW, 2025 (Woodman u.a., 2025): Kleine Gruppen, konstante Betreuungsperson als Qualitätsmerkmal. landtag.nrw.de